Exkursion ins Strafgericht Moabit
(jf und cb) Am Freitag, den 7. November 2025, besuchten wir, die Klasse MDP24-1, gemeinsam mit einer weiteren Klasse des Springer Verlags, die ebenfalls die Ausbildung zu Medienkaufleuten macht, das Strafgericht in Moabit. Wir trafen uns pünktlich um acht Uhr morgens direkt vor dem Gerichtsgebäude. Nachdem alle eingetroffen waren, gingen wir gemeinsam durch die Sicherheitskontrolle. Diese verlief reibungslos, und wir wurden freundlich, aber gründlich überprüft. So ähnlich wie am Flughafen.
Schon beim Betreten des Gebäudes waren wir beeindruckt von der imposanten Architektur. Das Strafgericht wirkte sehr groß und geschichtsträchtig. Herr Gracz erklärte uns, dass es sich um das größte Strafgericht Europas handelt. Besonders die hohen Decken, langen Flure und schweren Türen machten deutlich, wie alt und bedeutend das Gebäude ist.
Nach einer kurzen Einführung wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt, gemischt aus beiden Klassen, und besuchten verschiedene Verhandlungen. In meiner Gruppe konnten wir zwei vollständige und einen weiteren Fall teilweise mitverfolgen.
Im ersten Fall ging es um Betrug und Geldveruntreuung. Eine ältere Frau wurde beschuldigt, andere Senioren finanziell betrogen zu haben. Während der Verhandlung wurde deutlich, dass der Anwalt der Angeklagten keinen Deal akzeptieren wollte. Daher kam es an diesem Tag zu keinem Urteil, und die Verhandlung wurde vertagt.
Der zweite Fall behandelte einen Familienstreit zwischen einer Mutter und der Schwesterseite der Familie. Dabei ging es um Beleidigungen, kleinere Handgreiflichkeiten und Sachschäden. Der Staatsanwalt schilderte den Ablauf sehr ausführlich, und der Richter stellte viele Nachfragen. Insgesamt wurden drei Personen befragt, darunter auch die beschuldigte Frau. Die Stimmung war teilweise angespannt, weil sich die Beteiligten gegenseitig Vorwürfe machten. Am Ende wurde der Fall jedoch eingestellt, da die Angeklagte von Bürgergeld lebte und keine weiteren Konsequenzen gezogen wurden.
Im letzten Fall, den wir nur teilweise mitverfolgten, ging es um eine Körperverletzung zwischen einer Mutter und ihrer Stieftochter. Es wurden Fotos von Verletzungen gezeigt und Zeugen gehört. Schließlich erhielt die Angeklagte eine Geldstrafe von 400 Euro. Auffällig war der über 80-jährige Anwalt der Frau, der während der Pausen viel erzählte. Der junge Staatsanwalt befand sich noch in der Ausbildung und musste sich zwischendurch mit seinem Vorgesetzten im Nebenraum absprechen, was ebenfalls interessant zu beobachten war.
Die Atmosphäre im Gericht war insgesamt ruhig und geordnet. Die meisten Zuschauer verhielten sich respektvoll, manche wirkten sogar etwas eingeschüchtert. Die Bediensteten traten sehr selbstbewusst auf, teilweise aber auch etwas distanziert.
Ich habe aus dem Besuch mitgenommen, dass man im Gericht viel Geduld braucht und Menschen nicht nach ihrem äußeren Erscheinungsbild beurteilen sollte – oft steckt mehr hinter einer Person, als man denkt. Außerdem fiel uns auf, dass die Digitalisierung in den Gerichten noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, da fast ausschließlich mit Papierakten gearbeitet wurde.
Der Besuch im Strafgericht Moabit war insgesamt sehr spannend und lehrreich. Er gab uns einen realistischen Einblick in die Abläufe und die Ernsthaftigkeit von Strafverfahren und zeigte, wie vielfältig, aber auch anspruchsvoll die Arbeit im Justizwesen ist.
